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Wir verändern unseren Blick auf die Welt - Sommer 2017

5 min read

Wer Geocaching zum Hobby hat, sieht die Welt mit der Zeit anders. Es beginnt damit, dass man beim Suchen nach der Dose überlegt, wo ein pfiffiges Versteck sein könnte.

  • Die Leitplanke
  • Das Vogelhaus
  • ...

Es gibt ein paar Klassiker. Die Leitplanke, an der eine Dose mit Hilfe eines Magneten befestigt ist, ist unter alten Hasen verpönt. Das Vogelhäuschen ist als Versteck gut umzusetzen. Man hat darin Platz für Dosen, die außer einem Logbuch auch Tauschgegenstände enthalten können. Wenn man an den richtigen Koordinaten ist und die Dose einfach nicht zum Vorschein kommen will, spielen sich wilde Szenen im Kopf ab. Besser ist, man ist nicht alleine. Überhaupt  ist der Austausch mit anderen ein Geschenk, wenn sich mal wieder zeigt, dass 8 Augen mehr sehen als 2. Für mich ist die Dose an sich und das Sammeln von Punkten gar nicht wichtig. Ich finde die Orte interessant, die mir im Laufe der Zeit durch andere, mir völlig fremde Menschen gezeigt wurden.

Hier könnte ein Schatz liegen

Immer wieder liest man in Onlinelogbüchern, dass eine Dose von Muggeln (also nicht eingeweihten Menschen, die eigentlich gar nichts mit Geocaching zu tun haben) gefunden wurde. Wie kann das sein? Vielleicht war sie schlecht versteckt. Vielleicht war das Versteck aus Gründen interessant. Wenn beispielsweise ein Insektenfreund durch das Unterholz tapert, kann ihm so ein Plastikdöschen schon mal in die Finger geraten. Das gehört da nicht hin, denkt er. Er nimmt es mit und schmeißt es weg. Überhaupt geraten Geocachende schon mal mit Förstern und Jägern in Konflikt. (Mich wundert, dass das noch nie Thema in einem Tatort war.) Wer mit Blick auf sein Ziel, ohne links und rechts im Auge zu haben, durch den Wald stapft, kann Wild aufscheuchen. Nicht gut. Erfahrene Geocachende informieren sich vor Beginn der Suche oder geben bei den Beschreibungen/Listings an, wenn Naturschutzgebiete betroffen sind.

Auch wenn ich grad nicht geocache, fallen mir interessante Orte auf, die einen Schatz beherbergen könnten.

  • Ein Autowrack
  • Ein großes Stück Baumrinde
  • Ein Bilderrahmen
  • Ein Haltestellenschild
  • ...

Mitten im Wald, auf einem kleinen Pfad, der zwei Wanderwege verbindet, stoße ich auf eine stillgelegte Zeche. Es gibt wenig Müll, aber Reste menschlicher Anwesenheit. Offenbar nutzen Menschen diesen Ort zum Übernachten oder als Rückzugsraum. Ein verwittertes Blechschild informiert über den Namen und die Geschichte des Ortes. Mit dem Smartphone finde ich heraus, dass hier ein stillgelegter Geocache ist. Die Dosen sind immer wieder geklaut worden, also hat man das Legen neuer Dosen irgendwann aufgegeben. Auf eine Wand hat jemand gesprüht:

Thank You Avengers

Als ich weitergehe, bleibt ein Stück Erinnerung an den Ort und viele Menschen, die mit ihm zu tun haben. Von mir bleibt nichts zurück.

Es ist ein Lost Place, der eigentlich keine Dose braucht. Der Schatz dieses Ortes ist seine Geschichte. Hier könnte ein Ausflugslokal stehen mit Parkplatz und allem. Dann sähe alles anders aus und es wäre kein Lost Place mehr. Lost Places sind sowieso viel interessanter als Vergnügungsparks, finde ich. Es bleibt so Vieles offen. Ein anderer Mensche würde diesen Ort bestimmt ganz anders beschreiben.

Wir sind miteinander verbunden

In meiner Homezone hat vor Jahren jemand eine Dose aus persönlichen Gründen gelegt. Es ist eine Geschichte damit verbunden. Er selber kommt nicht mehr dort hin. Einmal habe ich ihn angeschrieben und vereinbart, dass ich die Dose mal mit nach Hause nehme und sauber mache. Er hat sie für diese Zeit offline gestellt, deaktiviert. Das war unser einziger Kontakt.

Im Park einer Großstadt in der Nähe meiner Homezone gab es einmal ein Geocaching-Event. Lauter für mich fremde Menschen. Wir haben uns natürlich übers Geocachen unterhalten. Aber es gab beim Suchen und Finden auch andere Gespräche.

  • Wo kommst du her?
  • Was machst du so?
  • Hoffentlich sehen wir uns mal wieder.
  • ...

Jemand hatte bloß den Ort bekanntgegeben und ein bißchen was zum Anlaß geschrieben. Wir sind der Einladung gefolgt. Interessant. Als Gemeindereferentin staune ich über das Maß an ehrenamtlichem Engagement, von dem es in unseren Pfarreien immer weniger gibt. Hier habe ich ein lebendes Beispiel für das Gegenteil vom dem, was wir auf langen und ermüdenden Sitzungen beraten. Geocachende kommen zusammen und gehen auseinander. Eine offene, aber nicht unverbindliche Gemeinschaft mit Konflikten (zum Beispiel die Sache mit dem Geocacher, der dem Jäger den Wald kaputt trampelt) und kulturell prägendem Potential (Kommunikationskanäle werden geschaffen und gepflegt, Werte geschaffen und ausgetauscht, Begegnung ermöglicht, Vielfalt zugelassen).

Aufruf zum Handeln

Dieser Beitrag entsteht in den Sommerferien NRW 2017. Darum passt ein Aufruf zum Handeln gut hier hin:

Autobahnraststätten, Autobahnkirchen, Sightseeing, Chillen am Strand, neue Leute kennenlernen, ... wo auch immer Sie diesen Sommer verbringen: Gönnen Sie sich den Traum von der Schatzsuche. Suchen Sie einen Schatz oder verstecken SIe einen. Beides ist immer, ganz gleich wie alles verläuft, der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Sie haben es in der Hand.