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Der ultimative Cache

Geocaching ist ein Hobby, bei dem man sich gut vorbereitet auf die Suche macht. Was aber, wenn es gar keine Koordinaten gibt? Was, wenn man nicht mal weiß, wie der Cache aussieht? Immerhin muss es ein Listing geben. Eine Geschichte wie die vom Gral. Etwas, dass wir nicht für real halten, aber vermuten, dass vielleicht doch was dran sein könnte.

Andere gehen in den Wald, um Pilze zu suchen. Andere sammeln Insekten oder zählen Vögel. Wir suchen den ultimativen Cache. Das Suchen ist unsere Bewegung. Wir gehen nicht ziellos. Wir gehen wie die Wanderer, die mehr wollen als ankommen. Nicht wie die Wanderer, die bereits ihren Blogbeitrag im Kopf haben, sondern wie Hörende. Es muss etwas Unerwartetes sein, auf das wir uns nur bedingt vorbereiten können. Kein Drachen. So was nicht.

Wir wollen nicht Jerusalem befreien. Eigentlich ist uns klar, dass wir nichts Materielles suchen. Möglicherweise würden andere den ultimativen Cache gar nicht erkennen, selbst wenn er ihnen auf die Füße fiele. Wir gehen nicht ziellos. Wir haben genau überlegt und sind gut vorbereitet.

Manche von uns suchen an Lost Places. Sie entdecken die Spuren der Vergangenheit und informieren sich über das, was einst gewesen ist. Sie finden Material, das interessant ist. Sie setzen sich zu Mittag an einen schönen Ort, packen ihren Proviant aus, den sie gerne mit anderen teilen. Sie erzählen gerne von dem, was sie erlebt haben, und wollen von anderen erfahren, wie es ihnen ergangen ist.

Manche von uns wissen schon genau, wo sie suchen müssen. Sie bewundern Architektur und Kunst und entdecken tasächlich Vieles, von dem sie nie gewußt hatten. 

Das es so was gibt!

Wir haben in der Heiligen Schrift gelesen und mit anderen darüber gesprochen. Wir haben gebetet und geschwiegen. Wir waren stundenlang am Strand. Wir waren stundenlang am Bergsee. Wir haben Heilige Messe gefeiert und die Kommunion anschließend zu einem Kranken gebracht. Der Kranke war dankbar und wollte uns nicht gehen lassen. Er hat geredet und geredet und dabei doch gar nichts gesagt. Wir wären unhöflich gewesen, wenn wir ihn einfach unterbrochen hätten. So haben wir lange bei ihm gesessen und dann gestanden. Dann haben wir versprochen wiederzukommen. Wir haben mit ihm Pläne gemacht für eine bessere Zukunft. Wir sind gegangen und hoffen nun, dass er beim nächsten Besuch vielleicht was Brauchbares erzählen wird. Dann tat er uns leid und wir fühlten uns schlecht, weil es uns nicht gelungen war, ihn zu trösten. Und zu heilen.

Es müsste etwas geben, das für alle Menschen gut ist. Das müsste ein Cache sein, über den alle sich freuen. Jeder müsste ihn finden können. Man bräuchte dafür kein Geld, aber das, was man geben kann. So stelle ich mir den ultimativen Cache vor. Ein bißchen wie bei Frau Holle. Etwas für Suchende und Aufmerksamkeit und für die Menschen, denen Freundschaft was bedeutet. Das wäre der Gral. Ich würde ihn finden und mich so sehr freuen, dass ich ganz verändert wäre. Ich würde nie mehr zornig werden, hätte unendliche Geduld und bodenloses Gottvertrauen. Ohne Bedauern würde ich den Ort verlassen und den Cache genau so lassen, wie ich ihn gefunden habe. Ohne Nachricht. Ohne Logbuch.